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VD Johann Zemsky und VD Heinz Sommerbauer

Bilanz-Pressegespräch: Austro Control für Zusammenarbeit in Europa vorbereitet

Sparprogramm 2009 erfolgreich umgesetzt; für 2010 wieder Verkehrszuwachs erwartet; Gebühren 2011 stabil

Im Rahmen des jährlichen Bilanz-Pressegespräches präsentierten die Austro Control Vorstände Dr. Heinz Sommerbauer und Mag. Johann Zemsky die Entwicklungen im ersten Halbjahr 2010, die wichtigsten Verkehrszahlen sowie den Geschäftsbericht 2009. Ebenso waren die zentralen Aufgaben und Erwartungen der europäischen Luftfahrt Gegenstand des Pressegespräches.

2009 Verkehrsrückgang um 7,7 %; Flughafen Wien minus 10 %

Bei den Flugbewegungen wurde 2009 mit insgesamt 1,1 Millionen Instrumentenflugbewegungen ein Rückgang von 7,7 % verzeichnet. Auch der An- und Abflugbereich war von einem markanten Verkehrsrückgang geprägt, wobei der Flughafen Wien mit einem Minus von 10 % am stärksten betroffen war, gefolgt von Graz mit 7,5 % weniger Landungen. Ingesamt gingen die Landungen an den österreichischen Flughäfen um 7,7 % zurück. Das Jahr 2009 verzeichnet damit den stärksten Verkehrsrückgang in der Geschichte der österreichischen Luftfahrt. 

Schwerste Krise der Luftfahrt mit  umfangreichstem Sparprogramm begegnet  

Diese Verkehrszahlen spiegeln sich auch in der Bilanz wieder. Das Geschäftsjahr 2009 war geprägt von einem Rückgang der Umsatzerlöse um rd. 4,4 %  gegenüber 2008,  erreichte nur mehr ein Niveau von EUR 202,4 Mio. und lag damit rund EUR 13 Mio. hinter der Planung zurück. Dieser Entwicklung wurde sofort mit einem ambitionierten, internen Kostenoptimierungsprogramm begegnet. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit konnte damit auf insgesamt EUR -2,1 Mio. (Vorjahr EUR 0,4 Mio.) nahezu ausgeglichen werden. Das entspricht grob jenem Betrag, der allein durch den Ausfall der Sky Europe negativ zu Buche geschlagen hat. „Wir haben den Entfall der Umsatzerlöse infolge der internationalen Luftfahrtkrise nahezu vollständig durch unser Sparprogramm ausgeglichen“, so Vorstandsdirektor Dr. Heinz Sommerbauer, der in diesem Zusammenhang auch auf die konstruktive Haltung der Belegschaftsvertretung verweist.

Gebühren für 2011 stabil gehalten  

Austro Control wird im Gegensatz zu einer überwiegenden Zahl anderer Flugsicherungen die Gebühr 2011 stabil halten und den Airlines dadurch erhebliche Planungssicherheit geben.  
 
Pünktlichkeit 2009 deutlich erhöht

Die Pünktlichkeit im An- und Abflugbereich Wien konnte 2009 im Vergleich zum Vorjahr deutlich verbessert werden. Insgesamt wurde die durchschnittliche Verspätung pro Flug von 1,74 Minuten auf 0,92 Minuten reduziert, was einer Verbesserung um 47% entspricht.  Auch für den Überflugsbereich konnte mit einer Reduzierung der durchschnittlichen Verspätung pro Flug um 12% ein hervorragendes Ergebnis erzielt werden.

Luftfahrt entwickelt sich 2010 trotz Auswirkungen der Aschewolke positiv 

Trotz der massiven Beeinträchtigungen durch die Aschewolke im April rechnet Austro Control mit einer leicht positiven Entwicklung des Flugverkehrs für 2010. Bei den Gesamtflugbewegungen war bis Mai ein leichter Zuwachs von 0,3% zu verzeichnen, bei den Landungen am Flughafen Wien ein Minus von 0,7%. Der Zuwachs wäre ohne die Auswirkungen der europaweiten Luftraumsperren Mitte April insgesamt deutlicher ausgefallen. Zum Vergleich: Im April betrug der Rückgang bei den Gesamtflugbewegungen 10,3% und bei den Landungen am Flughafen Wien 6,4 %. 

Personalaufbau bei Fluglotsen wird konsequent fortgesetzt 

„Wir sind, was die langfristige Entwicklung des Flugverkehrs betrifft, sehr zuversichtlich und setzen daher den Personalaufbau bei den Fluglotsen im Sinne einer Sicherstellung der erforderlichen Kapazitäten für unsere Kunden unvermindert fort“, bekräftigt Vorstandsdirektor Mag. Johann Zemsky. Für den Raum Wien ist bis 2012 eine Erhöhung der Personalkapazitäten um rund 20 % geplant.
Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr mit über 1.500 Besuchern findet am 2. Oktober auch heuer wieder die „Lange Nacht der Flugsicherung - Info@Night“ statt, bei der  jugendliche Besucher sich aus erster Hand über den faszinierenden Beruf des Fluglotsens informieren können. 

Ein Luftraum für Europa – Austro Control ist gut vorbereitet 

Die Ereignisse im Zusammenhang mit der Vulkan-Aschewolke haben deutlich vor Augen geführt, dass ein gesamteuropäischer Ansatz in der Luftfahrt dringend notwendig ist. Das Projekt „Single European Sky“ (SES) wird angesichts der jüngsten Ereignisse vehement vorangetrieben. Austro Control ist auf diese Entwicklungen entsprechend vorbereitet. Ziel von SES ist es, einen gemeinsamen europäischen Luftraum unabhängig von Staatsgrenzen zu schaffen, der sich ausschließlich an Verkehrsströmen orientiert und so zu einem sicheren, effizienten und wirtschaftlichen Ablauf des Flugverkehrs beiträgt. Kernstück ist dabei die Bildung von grenzübergreifenden Luftraumblöcken („Functional Airspace Blocks“) bis Ende 2012. Der Flugverkehr über Europa soll dadurch deutlich effizienter und gleichzeitig umweltschonender werden. Derzeit ist jeder Flug in Europa durchschnittlich 49km länger als notwendig. Das bedeutet neben erhöhten Treibstoffkosten für die Airlines auch 5 Mio. Tonnen an vermeidbarem CO2.  Die Kosten der Fragmentierung für die Airlines wird auf EUR 1 Mrd. pro Jahr geschätzt. 

Austro Control treibt Implementierung von FAB CE voran

(Functional Airspaceblock Central Europe) 

Austro Control forciert gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie die Bildung eines zentraleuropäischen Luftraumblockes. Der FAB CE soll gemeinsam mit Tschechien, Ungarn, der Slowakei, Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegovina bis Ende 2012 den Betrieb aufnehmen. In den kommenden Wochen soll das FAB CE Agreement zwischen den Staaten abgeschlossen werden. Dieser Meilenstein bildet die Grundlage für die zukünftige Zusammenarbeit innerhalb des FABs und ist die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Implementierung von FAB CE bis Ende 2012. 

Verbindliche Leistungsziele für Flugsicherungen und Reform des Gebührenmodells 

Neben der Bildung von Functional Airspaceblocks sind verbindliche Leistungsziele für Flugsicherungen ein wesentliches Element von Single European Sky. Beginnend mit 2012 wird es in den Bereichen Sicherheit, Umwelt, Kapazität und Kosteneffizienz Vorgaben für Flugsicherungen geben, die zunächst für Gesamteuropa festegelegt und dann auf die einzelnen Staaten herunter gebrochen werden. Solche Ziele sind beispielsweise Verspätungsminuten pro Flug und die Entwicklung der nationalen Gebührenrate. 

Ein weiterer Teil des Single European Sky wird ein reformiertes Gebührenmodell sein. Das derzeitige, auf dem Kostendeckungsprinzip basierende, System hat sich in den vergangenen Jahren nicht als die beste Lösung erwiesen. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten kommt es aufgrund des rückläufigen Verkehrs zu Gebührenerhöhungen, während bei steigendem Verkehr die Gebühr gesenkt wird. Zukünftig soll es so sein, dass Mehreinnahmen aufgrund eines höher als erwarteten Verkehrsaufkommens bis zu einem gewissen Prozentsatz einbehalten werden können und Mindereinnahmen bei einem geringeren Verkehr nicht mehr zur Gänze weiterverrechnet werden dürfen. Ebenso können Unterdeckungen aufgrund von höheren Kosten nicht mehr eins zu eins an die Airlines weiterverrechnet werden. 

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